AuftraggeberIn: pro mente OÖ
Jahr: 2010
Ort: LKH Steyr, Abteilung für Psychiatrie
Format/Technik: Beitrag zu Feier(12); Performance, Intervention, Settinggestaltung, Audioinstallation;
Fotodokumentation
Material: Performances, ready-made, Drucksorten, Audioaufnahmen, Video, Lautsprecher
KünstlerInnen: freundinnen der kunst, Thomas Pohl
Beteiligte: Gastgeber, medizinische und wissenschaftliche ExpertInnen, KünstlerInnen, PerformerInnen

FEIER IN STEYR. EIN NON-SYMPOSIUM

Feste und Rituale schaffen Erinnerungsräume, durchbrochene Traditionen können die Erinnerung besonders unterstützen. Anlässlich des 5jährigen Jubiläums der Abteilung der Psychiatrie Steyr hatte der KunstRaum Goethestrasse xtd die Möglichkeit, die Konzeption des Festakts künstlerisch zu gestalten. So wurde ein Geburtstagsfest für das 5jährige Kind „Psychiatrie Steyr“ ausgerichtet: mit Geschenken, Festessen bei klassisch gedeckter Tafel, Geburtstagskuchen, feierlichen Ansprachen, Küchengesprächen und starken Emotionen.

Am Eingang zum Fest wies ein Zeremonienmeister zum Geschenketisch und den Plätzen. Alle Gäste nahmen ein Geschenk vom Tisch, das sie dem Primar als „Gastgeschenk“ mit kreativer Begründung überreichten. Der Geschenketisch förderte Reflexion und konnte trotz Verwunderung nachhaltig beeindrucken: Viele erinnerten sich auch Jahre später noch an das gewählte Gastgeschenk und mit welchen Worten sie es überreichten. Die Schlange der GratulantInnen und das Überreichen der Geschenke schaffte eine persönliche Begegnung auf Augenhöhe zwischen den Personen.

Am Kopf der gedeckten Tafel saßen vier weinende Bräute, die während des Festaktes Zwiebel schnitten. Die Performance SEHNSUCHT – Tränen (Teil 1) der freundinnen der kunst brachte eine ständige Gegenwart von Emotionen und wirkte irritierend. Die GastrednerInnen wurden seitlich an der Tafel gesetzt und wurden gebeten, sich für ihre Ansprachen einfach von ihrem Platz zu erheben. Diese unangekündigte Situation stellte die LaudatorInnen vor eine Herausforderung, die sie spontan überwinden mussten, was sie nachhaltig beeindruckt hat. Als Küchengespräche gab es vier Fachvorträge und Workshops mit ExpertInnen, die danach als Audioinstallation zu hören waren.

Die Frage, wie Kunst offizielle Veranstaltungen zu etwas Besonderem machen kann, ohne Gäste zu überfordern, beantwortet dieses Projekt auf vielfältige Weise. Während der gesamten Feier wurde spürbar, wie inspirierend und beeindruckend künstlerische Gestaltung von Veranstaltungen sein kann, und noch Jahre später wurde betont, wie außergewöhnlich und schön diese Feier erlebt wurde. Dennoch braucht es den Mut der GastgeberInnen, überraschende künstlerische Interventionen zuzulassen und Erfahrungen in der Dramaturgie und Gestaltung von Dynamiken und Räumen in der Umsetzung.